In unserer Serie „Die Meistermacher“ stellen wir dieses Mal Anne Heidrich vor. Sie hatte in Fliesen und Platten von der Online-Lernplattform gelesen und sich dann spontan angemeldet. „Als Ergänzung zu den Materialien, die wir von der Meisterschule bekommen haben, war die Plattform eine tolle Hilfestellung“, sagt die Deutsche Meisterin von 2021.
Auch wenn sie selbst es wohl nie so sagen würde, es stimmt einfach: Anne Heidrich hat eine Bilderbuch-Fliesenlegerinnenkarriere hingelegt: Lehre im Familienbetrieb, der Heidrich Fliesen GmbH, die von Vater und Onkel geführt wird, und parallel dazu im Rahmen einer dualen Ausbildung (wir berichteten in Fliesen und Platten 03/2022, S. 44) Bauingenieur an der Technischen Universität Cottbus studiert. Nach erfolgreichem Abschluss von Lehre und Studium hat sie obendrauf noch ihren Meister gemacht und dann, Ende 2023, den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt: Sie übernahm den ursprünglich von ihrem Großvater gegründeten Betrieb in ihrem Heimatort Rüthnick, der auch heute noch Hans Heidrich Fliesenlegermeisterbetrieb heißt.
Zwischendurch, 2019, noch in ihrer Zeit als Lehrling, kam sie ins Finale bei der Wahl zu Miss Handwerk. Und als wäre all das noch nicht genug, war sie 2021 auch noch Deutsche Meisterin der Fliesen-, Platten- und Mosaikleger:innen – wie gesagt: eine Bilderbuchkarriere und jede Menge mediale Aufmerksamkeit. Der Brandenburgerin war und ist der Hype um ihre Person aber eher unangenehm: „Ich will die Aufmerksamkeit eigentlich gar nicht auf mich lenken. Aber natürlich bin ich unglaublich stolz auf das, was ich damals erreicht habe.“
Konzentration auf Privatkunden und kleinere Aufträge
Jetzt jedoch gilt ihre Konzentration ihrem eigenen kleinen Betrieb, der im Übrigen keineswegs in Konkurrenz zur großen Heidrich Fliesen GmbH steht, die mit 15 Mitarbeitenden und als Schwimmbadbauspezialist über die Grenzen Brandenburgs hinaus bekannt ist. „Nein, wir sind keine Konkurrenten“, sagt Anne Heidrich und muss ein wenig schmunzeln. Zum einen sei ihr eigener Betrieb rund 60 Kilometer entfernt vom Standort des Familienunternehmens im nordwestlich von Berlin gelegenen Zernitz-Lohm. Zum anderen habe die GmbH einen anderen Kundenkreis. „Unsere GmbH bearbeitet viele größere Projekte und ist oft irgendwo auf Montage. Ich wollte lieber hier in der Region Fuß fassen und mich auf Privatkunden und kleinere Sachen konzentrieren.“
Nach ein paar Investitionen – etwa in eine zeitgemäße Computerausstattung – war der eigene Betrieb startklar. Gemeinsam mit einem Angestellten plant und gestaltet sie nun Bäder in ihrer Heimat, der Region Ostprignitz-Ruppin und Oberhavel. Und es läuft. „Ich kann mich nicht beschweren. Anfang 2025 war es ein bisschen schwierig, die Auftragslage war nicht einfach. Aber das kommt vor: Jeder Fliesenlegerbetrieb hat mal den einen oder anderen Monat, wo man sich wünscht, dass es besser läuft.“ Und falls es wirtschaftlich mal richtig eng werden sollte, hätte die 28-Jährige auch die Möglichkeit, für Vater und Onkel als Nachunternehmerin zu arbeiten.
Ihre Ziele aber sehen anders aus: „Ich würde mich sehr gerne noch weiter in der Region etablieren. Familienbedingt habe ich großes Interesse daran, hier arbeiten und bleiben zu können. Wenn ich irgendwohin auf Montage müsste, wäre das schwer zu händeln.“ Und was ist mit dem Plan, irgendwann einmal die GmbH von Vater und Onkel zu übernehmen? „Ja, das ist weiterhin eine Option, und ich werde die beiden auch unterstützen, wo ich kann.“ In den kommenden Jahren aber soll der Schwerpunkt erst einmal auf dem Betrieb in Rüthnick liegen.

Bauingenieurstudium für den Durch- und Überblick
Die Fähigkeiten, eine Führungsrolle in einem größeren Unternehmen wie zum Beispiel der Heidrich Fliesen GmbH zu übernehmen, hätte sie durchaus. Zum einen hat sie ihr Gewerk „von der Pike auf“ gelernt und im Familienbetrieb über viele Jahre mitbekommen, wie man ein Unternehmen leitet. Mit ihrem Bauingenieurstudium hat sie zudem Wissen erworben, das es ihr erlauben würde, auch als Bauleiterin zu arbeiten.
In einem Interview mit dem Zentralverband des Deutschen Handwerks e. V. (ZDH) hat Anne Heidrich einmal erklärt, was sie am Bauingenieurstudium besonders gereizt hat: „Ich hatte und habe einfach Interesse daran, das Baugewerbe als Gesamtsystem zu betrachten.“ Bei einem größeren Projekt seien so viele Gewerke tätig, das könne man sich als Außenstehender gar nicht vorstellen. „Für das Management so einer Baustelle ist es extrem wichtig, dass man auch Verständnis für die anderen Berufe hat, damit das Zusammenspiel funktioniert. Du kannst da nicht dein eigenes Ding durchziehen, denn da kommt keiner weiter: Es braucht ein gutes Zusammenspiel.“ Das Studium habe ihr dabei geholfen, eine Art „bauliches Allgemeinwissen“ zu entwickeln. „Damit kann ich besser verstehen, was der Zimmerer oder der Maurer gerade braucht.“
Kompetenz hilft gegen Vorurteile
Außerdem helfe das Wissen dabei, auf der Baustelle ernst genommen zu werden. „Ein Großteil der Leute, mit denen ich zusammenarbeite, ist 20 Jahre älter als ich. Und manche sind es nicht gewohnt, dass eine Frau diesen Job macht. Diese Leute kann man mit Wissen und Berufserfahrung beeindrucken oder mit Projekten, die du gemacht hast.“
Anne Heidrich hat einen beeindruckendes Stück Wegstrecke zurückgelegt. Und man darf gespannt sein, wohin sie ihre Reise noch führen wird. Fliesen und Platten ist stolz darauf, sie mit „Die Meistermacher“ ein kurzes Stück auf ihrem Weg begleitet zu haben. „Ich fand es gut, wie die Seite aufgebaut ist“, betont Heidrich. „Wenn ich etwas nachlesen oder üben wollte, habe ich dort viele Informationen gefunden. Man kann dort jederzeit nachschauen – das hilft.“